800 000 Jahre Photosynthese
Organismendemokratie Gelsenkirchen

2020 ist ein Jahr der großen Veränderungen. „Wie wollen, wie können wir miteinander leben?“ Auf diese Fragen gibt es plötzlich ganz neue, labile Antworten. Und die Fragen: “Wer sind Wir? Wer gehört zu diesem Wir dazu? Wie denken wir als Menschen die anderen Lebewesen, mit denen wir die Erde teilen, mit?“ tauchen mit neuer Wucht auf und verlangen nach Antworten.
2020 ist auch das Jahr, in dem eine gemischte Gruppe unterschiedlicher Spezies beschließt, sich dem überwältigenden Erbe der ehemaligen Steinkohle-Zeche „Consolidation“ in Gelsenkirchen zu stellen.

Kurz und berauschend war die Kohleparty. In 160 Jahren wurden allein auf dem Gelände der Zeche Consolidation 221.462.500 Tonnen Kohle aus der Tiefe geholt und als CO2 in die Atmosphäre geblasen. Wie geht es jetzt weiter?
Ein Laubwald von der Größe des Geländes der Zeche müsste 800.000 Jahre lang Photosynthese betreiben, um dies wieder rückgängig zu machen. Das ist zwar deutlich kürzer als eine Ewigkeitsaufgabe, aber im menschlichen Maßstab immer noch sehr lang.
Dieser Herausforderung stellt sich eine gemischte Gruppe von Lebewesen: Pflanzen, Pilze, Bakterien, Wirbellose und Wirbeltiere, die auf dem Gelände der ehemaligen Zeche leben und arbeiten.
Sie schreiben gemeinsam eine neue Erzählung, eine Erzählung der Vielen, die aus dem Chaos und Schrecken des Ressourcen-extrahierenden Anthropozäns in andere Zukünfte führt. Zukünfte, die so vielfältig sind, wie die Anzahl der Spezies, die sie gemeinsam gestalten. Dazu brauchen sie eine neue Form von Politik, eine Politik, in der alle Spezies die gleichen politschen Rechte haben:
Eine Organismendemokratie!

Ein Projekt von Club Real im Rahmen von RUHR DING: KLIMA von Urbane Künste Ruhr, mit dem Consol Theater